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Prospektion des Lagergeländes

Die Magnetometerprospektion erlaubt, große begehbare Areale zu kartieren.

Das Verfahren ist aufgrund seiner Fähigkeit, große Flächen vergleichsweise rasch zu bearbeiten, gerade für den ersten „Blick in den Grund“ sehr gut geeignet und kann im besten Fall auch bereits tiefergehende Interpretationen möglicher archäologischer Strukturen im Untergrund erlauben. In jedem Fall bieten magnetometrische Ergebnisse eine unverzichtbare Basis für die Planung weitergehender geophysikalischer Untersuchungen, die für differenzierte Arbeiten, jedoch nur für die Vermessung kleinerer Flächen mit bereits grob identifizierten Anomalien, geeignet sind.

Im Fall Aschendorfermoor hat sich der Einsatz der Magnetometerprospektion im Bereich des Lagers und im Bereich der „Kriegsgräberstätte“ als aufschlussreich erwiesen.

Im Bereich des Häftlingslagers konnten wir auf acht bearbeiteten 40 x 40 Meter-Quadranten mehrere Lagerstrukturen kartieren, die trotz periodischer Pflugarbeiten im Boden erhalten geblieben sind. Die Magnetometerprospektion detektierte insbesondere Reste der Umzäunung des Lagers, Fundamentreste der Baracken bzw. die Trümmerfelder, die bei der Zerstörung der Baracken 1945 entstanden sind, einen in den Lagerplänen verzeichneten Löschwasserteich und ein dichtes Streumuster untertägiger Objekte, die auf Eisenteile und gebrannte Gebäudereste hindeuten.

Georeferenzierte Magnetogramme des Lagergeländes.

Allerdings ließ sich das auf mehreren Lagerplänen genau verzeichnete Massengrab (B) nicht eindeutig auf den Kartierungen der Magnetometerprospektion, den so genannten Magnetogrammen, nachweisen.

Im Bereich des auf zwei Lagerplänen eingezeichneten Massengrabes (B) erschienen zwar mehrere kleinere Anomalien, diese ließen sich indes nicht zweifelsfrei interpretieren. In diesen Magnetogrammen sine archäologische Befunde, wie Gräben und Gruben, vor allem dann nachweisbar, wenn deren Verfüllung andere physikalische Eigenschaften aufweist, als das sie umgebende Bodenmaterial.

Lagegenaues Verhältnis von magnetometrischen Befunden und ehemaliger Lagerinfrastruktur.

Dagegen ist der Boden im Bereich des Lagers Aschendorfermoor von einer hohen Homogenität des Materials gekennzeichnet: Die geologische Kartierung weist das Bodenausgangsgestein des Untersuchungsgebiets als ehemaliges Dünenmaterial bzw. feinsandiges Bodensubstrat aus, das vermutlich während der Trockenlegungsarbeiten mit beträchtlicher Mächtigkeit “umgewendet” bzw. vermischt worden ist.

Verfüllungen und natürlich gelagerter Boden lassen sich unter solchen Bedingungen nur schwer unterscheiden.

In unseren Magnetogrammen ließ sich der verfüllte Löschwasserteich des Häftlingslagers deutlich identifizieren, das verfüllte Massengrab jedoch nicht.

Im Rahmen einer geoarchäologischen Erkundung wäre nun zu klären, ob der Löschwasserteich bei der Beseitigung der Lagerreste mit Trümmermaterial verfüllt worden ist, das sich nun aufgrund seiner untypischen Beschaffenheit abzeichnet. Im Bereich der vermuteten Grablagen zeigt die Magnetometrie indes noch keine eindeutigen Hinweise auf eine Grube bzw. Grablage.

In einem nächsten Untersuchungsschritt soll daher das Füllmaterial der beiden Befunde miteinander verglichen werden. 

Bei unserer Untersuchung hat sich die Magnetometerprospektion also als weiterführend bei der Detektion der Überreste und Spuren von Infrastrukturen des Lagers erwiesen. Ein Ziel des Vorhabens im Bereich der Methodenentwicklung besteht daher darin, weitere Erfahrungen mit dem Einsatz magnetometrischer Verfahren auf den Böden des Emslandes zu sammeln. 

Um robustere Aussagen in Bezug auf Vorhandensein und Beschaffenheit einer Grablage im Häftlingsbereich des Lagers bzw. der nach der Umbettung der Opfer zurückgebliebenen Grube zu erreichen, wurden zusätzlich zur Magnetometerprospektion in einem erweiterten Bereich um die in den historischen Quellen bezeichneten Grablagen profilorientierte Georadarmessungen durchgeführt. Dabei wurden 15 bis zu 80 Meter lange Streifen abgesteckt, entlang derer die kartierte Grablage mehrmals und in unterschiedlichen Richtungen mit dem Georadar gekreuzt und geschnitten wurde. 

Die Daten dieser extensiven und eher explorativen Georadar-Messungen, sogenannte Radargramme, lassen ebenfalls noch keine eindeutigen Schlüsse auf einen Befund zu. Zwar sind in einigen Radargrammen schwache Schicht-Reflexionsmuster zu beobachten, die auf eine Verfüllung im Bereich leicht südöstlich der Einzeichnungen auf den Lagerplänen hindeuten könnten. In vorsichtiger Interpretation lässt sich daher vermuten, dass es tatsächlich eine größere Grube in diesem Bereich gegeben hat, die allerdings nicht exakt an der in den Plänen bezeichneten Stelle lag. 

Magnetogramme auf einem historischen Luftbild georeferenziert.

Für den zweifelsfreien Nachweis eines Befundes, der als (ehemalige bzw. exhumierte) Grablage interpretiert werden kann, sind jedoch weitere, ggf. auch minimalinvasive Erkundungen bzw. Bohrsondagen notwendig, die nach dieser ersten Annäherung an den Befund für die zukünftigen Untersuchungen vorgesehen sind. 

Auf die durch die besondere Bodenbeschaffenheit zurückzuführenden, schwierigen Rahmenbedingungen geoarchäologischer Untersuchungen deuten auch die während der Prospektion durchgeführten explorativen Pürckhauer-Bohrsondierungen hin. 

Bei solchen Sondierungen werden Bodenprofile entnommen, die den Boden bis in eine Tiefe von ca. einem Meter abbilden. Diese Sondierungen zeigten, dass die Boden- und Sedimentprofile im Lagerbereich starken anthropogenen Veränderungen unterworfen waren, da im Rahmen der Moorkultivierung bereits vor der Errichtung des Lagers massive Bodenverbesserungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Inwiefern solche Maßnahmen die Ergebnisse geophysikalischer Messungen im Lagerbereich beeinflussen, gilt es in weiteren Untersuchungen ebenfalls zu überprüfen.

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